Futterspende-Boxen für Hartz4 Empfänger um die Weihnachtszeit

Beim einigen Märkten kann man Tierfutter spenden. Meist befinden sich dann im Eingangsbereich Gitterboxen in denen man sein Döschen rein wirft und gut so erstmal, obwohl dies Einige auch kritisch sehen.

Futterbox

Als ich gestern in den Rewe schlenderte, musste ich dreimal hinsehen um mich zu überzeugen. Rewe unterstützt seit 1996 die Tafel und da dachten die sich wohl, was der Futternapf kann, das können wir auch und setzen eine Sammelkiste an den Eingang, in der jeder sein schon vorgepacktes Tütchen reinstellen darf.

Unter der Kategorie:

frage ich mich ob die Unterstützung der Armut etwas Nachhaltiges sein soll. Wenn bisher Rewe sich für die Tafel eingesetzt hat und dies optisch „Backstage“ tat, dann mag das noch von Wohlwollen her rühren. Ob „die Tafel“ als Kompensierung regierungspolitischer Inkompetenz Gut ist, wäre einen eigenen Artikel wert. Aber das Futterboxen für Hartz 4 Empfänger als „Welfare“ und damit noch in der vorweihnachtlichen Zeit aufgestellt werden, spricht für geschmackloses Marketing und diffamiert den Status um ein weiteres mal. Dazu gibt es noch ein hübsches Video auf deren Seite in dem das liebe Kind beim Familieneinkauf das H4-Futter zusammenstellt. Und was da das wichtigste ist, gibt Rewe in fertig gepackten Tütchen für 5 Euro auch schon vor, damit uns die Arbeitslosen nicht vom Fleische fallen, damit es sie für das Marketing auch morgen noch gibt.

Nachtrag:

Um den Überblick zu schärfen, hier noch eine Sache die auch noch gar nicht so lange her ist und an der erkannt sein sollte, wie „Welfare“ von Staat und Wirtschaft zu verstehen ist.

 

Die Angeklagten Christof N. (24) und Frederik V. (32) waren am 13. April 2010 nachts auf dem Parkplatz eines Supermarktes mit einem Anhänger voller Lebensmittel mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum angehalten worden. Monate später flatterte ihnen ein Strafbefehl über 20 bzw. 10 Tagessätze wegen Diebstahls ins Haus. Das besondere: Weder der bestohlene Discounter noch sonstwer fühlte sich geschädigt. Die Staatsanwaltschaft sah jedoch ein „besonderes öffentliches Interesse“ in dem Fall – und wollte die Mülltaucher verknacken. Dem stimmte die Richterin so nicht zu.

Dennoch bleibt die Lösung unbefriedigend, denn ein Urteil ergeht zunächst nicht. Stattdessen machte die Richterin das Angebot, das Verfahren gegen Auflagen einzustellen. Der Angeklagte Frederik V. nahm das Angebot unter Protest an – und muss nun zehn Sozialstunden bei einer gemeinnützigen Organisation seiner Wahl leisten. Der zweite Angeklagte Christof N. blieb noch unentschieden – und kann sich nun überlegen, ob er es zu einem aussagekräftigen Urteil kommen lassen will.

Das hätte Bedeutung, weil sich Experten über die Frage streiten, ob das Mülltauchen illegal ist. Diejenigen, die „Containern“ – also das Aneignen von weggeworfenen Lebensmitteln – für strafbar halten, argumentieren, dass der Müll entweder demjenigen gehört, der ihn weggeworfen hat – also in diesem Fall den Discountern – oder ansonsten der Abfallwirtschaft.                Quelle: http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/sozialstunden-fuers-containern/

Passendes auch dazu hier:

»Die Nachfrage schwächen«

Ist »Containern« illegal? Ein Gespräch mit zwei Aktivisten gegen Lebensmittelverschwendung

Quelle: http://www.jungewelt.de/2010/10-30/040.php

 

Und hier darf man ein Wenig hinter die Kulissen des „Welfare“ sehen:

Quelle: http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/realpolitik/allg/tafeln_agsb.pdf

Das dies alles nicht neu ist, dazu dies hier:

Bürgerliche Wohltätigkeit (1929)

Text: Kurt Tucholsky; Musik: Hanns Eisler

Sieh! Da steht das Erholungsheim
einer Aktiengesellschafts-Gruppe;
morgens gibt es Haferschleim
und abends Gerstensuppe.
Und die Arbeiter dürfen auch in den Park…
Gut. Das ist der Pfennig.
Und wo ist die Mark -?
Sie reichen euch manch Almosen hin
unter christlichen frommen Gebeten;
sie pflegen die leidenden Wöchnerin,
denn sie brauchen ja die Proleten.
Sie liefern auch einen Armensarg…
Gut. Das ist der Pfennig. Und wo ist die Mark -?
Die Mark ist tausend- und tausendfach
in fremde Taschen geflossen;
die Dividende hat mit viel Krach
der Aufsichtsrat beschlossen.
Für euch die Brühe. Für sie das Mark.
Für euch der Pfennig. Für sie die Mark.
Proleten!
Fallt nicht auf den Schwindel rein!
Sie schulden euch mehr als sie geben.
Sie schulden euch alles! Die Ländereien,
die Bergwerke und die Wollfärbereien…
sie schulden euch Glück und Leben.
Nimm, was du kriegst. Aber pfeif auf den Quark.
Denk an deine Klasse! Und die mach stark!
Für dich der Pfennig! Für dich die Mark!
Kämpfe -!

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11 Kommentare zu Futterspende-Boxen für Hartz4 Empfänger um die Weihnachtszeit

  1. Hartz IVogel sagt:

    Na endlich (!) wissen wir, wo wir gesellschaftlich stehen – auf gleicher Stufe mit den Vögeln. So beliebt wie die Tauben also? Nett! …

  2. rollinger sagt:

    Also ich finde das nicht so doll. Vielleicht war die Idee gut und anders gemeint, aber es sieht nach Mitleid aus. Könnte man die Kisten nicht im Bundestag aufstellen als zynischer Hinweis damit Fr. Merkel und ihre Minister jeden Morgen drüberstolpern?
    Ich hoffe die Aktion von REWE ist nur eine Provokation an unser Sozialsystem und nicht eine vorweihnachtliche „Wir sind die Guten“ Werbespinnerei.

  3. Alien59 sagt:

    Das ist nur noch übel. Wie weit soll dieser Zynismus noch gehen?

  4. ebook news sagt:

    Hartz 4 hat doch die SPD erfunden. War nicht auch der Erfinder auf Steuerkosten in Brasilien und hat sich dort immer Modelle angeschaut und genossen oder verwechsele ich da was. Aber ich schweife ab. Wie auch immer, dass die SPD jetzt auch die 5 Euro Erhöhung ablehnt zeigt mir doch, das soziale ist nicht mehr bei der SPD. Wird Zeit, dass diese Partei verschwindet.

  5. rollinger sagt:

    Was hat das jetzt mit Parteien zu tun? Es geht um Rewe.

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