Antwort an MM – Zwei Sichtweisen über Schweiger

Vorab erst mal vielen Dank, dass Sie sich so ausgiebig mit diesem Thema und meinem Artikel beschäftigt haben. Es zeigt, dass Sie dieses Thema ebenso tangiert wie mich, wir jedoch an einigen wichtigen Punkten nicht der gleichen Meinung sind. Ich denke, dass es genau diese Punkte sind, die die zwei Lager beschreiben, die dieses Thema immer wieder hat. Weil mir der sachliche Dialog wichtig ist, werde ich diesen Kommentar und meine Antwort als weiteren Artikel verwenden.

 

ein Kommentar auf den Artikel: Til schweig Er – von einem der ausrastet um einen Film zu vermarkten 

MM sagt:

27. März 2011 um 19:06

Der Artikel disqualifiziert sich mit nur einem Absatz selbst. Kann man dem Rest wohl zumeist zustimmen, musste ich über den folgenden Absatz lachen und konnte den Autor danach nicht mehr ernst nehmen:

“Was sie mit “Fantasie” versuchen zu beschreiben heißt Empathie, also Einfühlungsvermögen. Was ihnen fehlt um solche Menschen zu verstehen, ist Wissen über Pädophilie und die Differenzierung derer die zu Gewalt neigen, sowie die Geschichte und die Sinnhaftigkeit der Menschenrechte. Menschen die zu Gewalt fähig sind, sind zumeist selbst Opfer von Gewalt gewesen. Soviel zur Empathie, welche man denen, die solche Äußerungen wie Sie sie an den Tag legen als populistisch Einschätzen, sehr wohl zugestehen kann. Ob diese Menschen dumm, naiv oder doch intellektuell sind, spielt dabei gar keine Rolle, es sind Menschen diese Art erkennen.”

Wenn Schweiger von der fehlenden “Fantasie” spricht, dann meint er, dass sich Leute, die ihm (Schweiger) in seinen Aussagen widersprechen würden, sich nicht vorstellen können, dass ihnen (respektive ihren Kindern) so etwas (Opfer eines Sexualverbrechens zu werden) passieren könnte. Die latente Gefahr wird ignoriert (Mir passiert das doch nicht!) und Schweiger verweist darauf, dass man sich nur mal überlegen müsse, was “ihr” (der anwesenden Frau deren Kind ermordet wurde) passiert ist. Das heißt von seiner Fantasie Gebrauch zu machen und sich damit klar zu machen, dass so etwas jedem passieren kann.

Schweigers Aussage hat rein gar nichts mit fehldender Empathie gegenüber der Täter zu tun (er suggeriert diese natürlich, aber das ist nicht der Punkt seiner Aussage). Er spricht hier lediglich davon, dass diese Gefahr für Kinder und Frauen in Deutschland akut ist und man davor nicht die Augen verschließen, sondern etwas ändern sollte (darauf folgt sein Beispiel Amerika usw.).

Das zum Inhaltlichen, was hier vom Autor offensichtlich falsch verstanden und falsch weitergegeben wurde.

Im Übrigen, und das ist nur meine persönliche Meinung, sehe ich keine Logik in der Aussage: “Was ihnen fehlt um solche Menschen zu verstehen, ist Wissen über Pädophilie und die Differenzierung derer die zu Gewalt neigen, sowie die Geschichte und die Sinnhaftigkeit der Menschenrechte. Menschen die zu Gewalt fähig sind, sind zumeist selbst Opfer von Gewalt gewesen. ”

Bei den Aussagen Schweigers ging es nur um Sexualstraftäter, nicht um Gewaltverbrecher. Ein Gewaltverbrechen, ist eine ganz andere Kategorie. Wer zur Gewalt neigt (aus welchen Gründen auch immer) handelt meist im Affekt und erschlägt im schlimmsten Falle jemanden. Dafür Empathie aufzubringen, dass einem Menschen, der eine schlimme Vergangenheit hatte, so etwas passiert, ist zumindest leichter vorstellbar als einem Sexualverbrecher empathisch gegenüberzutretetn. Warum? Weil Sexualstraftaten so gut wie nie im Affekt geschehen, sie werden meist perfide geplant und durchgeführt, v.a. gegenüber Kindern. Wenngleich Pädophile nichts für ihre Störung können so entbehrt es jeglicher Grundlage, diesen Tätern in irgendeiner Weise Sympathie entgegenzubringen. Es gibt Einrichtungen, die Betroffene aufsuchen können, um eine Störung dieser Art behandeln und medikamentös “deaktivieren” zu lassen. Es gibt keine Entschuldigung, diese Hilfe nicht in Anspruch zu nehmen, und stattdessen auf lange Sicht fast sicher zum Täter zu werden. Die Empathie sollte neben den Opfern auch den Pädophilen gelten, die mit einer Störung dieser Art leben müssen und sich in ärztliche Hilfe begeben, um nicht zum Täter zu werden. Schweiger fehlende Empathie gegenüber Sexualtätern zu unterstellen ist korrekt. Er hat diese Empathie nicht. Wieso er sie haben sollte, ist mir aber auch schleierhaft.

 

 

 

Meine Antwort:

Herr Schweiger unterstellt Menschen, die sein Auftreten als populistisch bezeichnen, kein Verständnis für eine solche Situation zu haben.

Fantasie bezeichnet eine kreative Fähigkeit etwas neues zu denken/erschaffen. Empathie hingegen bedeutet sich in die Lage von anderen Menschen (Dingen) zu versetzen und mit ihm mitzufühlen, sich darüber klar zu werden, was der andere fühlen muss, sowie die eigenen Gefühle zu erkennen und angemessen zu reagieren.

Es bedarf somit also keiner Fantasie um in der Lage zu sein, Missbrauch an einem selbst oder an seinen Kindern als Möglichkeit einzubeziehen, geschweige wäre sie das rechte Mittel um annähernd das unbekannte greifbar zu machen, denn Fantasie ist nun mal viel größer als die Realität.

Sie schreiben: „Wer zur Gewalt neigt handelt meist im Affekt… … Weil Sexualstraftaten so gut wie nie im Affekt geschehen….“ Sexualstraftaten sind zumeist mit psychischer oder körperlicher Gewalt verbunden und somit zumeist als Gewaltverbrechen zu verstehen. Ob ich mit einer Tat strategisch oder taktisch umgehen muss, sagt nichts darüber aus ob dabei mehr oder weniger Gewalt zum Einsatz kommt. Ein Banküberfall benötigt auch Vorbereitung und ist kaum ohne Gewalt durchführbar.

Sie schreiben: Es gibt Einrichtungen, die Betroffene aufsuchen können, um eine Störung dieser Art behandeln und medikamentös “deaktivieren” zu lassen. Es gibt keine Entschuldigung, diese Hilfe nicht in Anspruch zu nehmen, und stattdessen auf lange Sicht fast sicher zum Täter zu werden.” Diese Ansicht hätten sie mal in den 70ern vertreten und durchsetzen lassen müssen, zu dieser Zeit wurde Homosexualität genau wie Pädophilie verstanden. Heute gibt es darüber einen anderen gesellschaftlichen Konsens, jedoch auch nach wie vor extreme Bewegungen gegen Homosexuelle. Nicht zuletzt sogar die katholische Kirche, die mit ihrer Sichtweise und internen Politik, dann eben nicht mehr in das gesellschaftliche Bild passt. Pädophilie ist keine Störung, wie sie es und wohl einige andere auch verstehen. Es ist ein natürlicher Trieb und kein Defekt. Es gibt sehr viele Gründe ( sie nennen es Entschuldigung setzen es damit in ein anderes Licht) sich nicht „deaktivieren“ zu lassen. Auch hier benötigt es wieder Empathie um dies zu verstehen. Sie suggerieren im nächsten Satz schon etwas, was mit den Fakten nicht übereinstimmt. Es wird eben nicht jeder Pädophile zum „vom Trieb getriebenen“ Täter. Dazu gibt es ausreichende Fakten und es hilft schon ein Blick in Wikipedia. Sie müssten mit diesem Prinzip quasi jedem, der nicht Verantwortlich mit einer Sache umgehen kann, die jeweiligen Freiheiten für alle Zeiten beschneiden. Wie sähe es dann hier aus?

Herr Schweiger verdreht auch die Realität, indem er sagt „es könne jedem passieren“. Das stimmt jedoch keines Falls. Mathematisch gesehen gibt es auch für jeden Menschen eine Wahrscheinlichkeit, dass ihm zu Lebzeiten ein Satellit auf den Kopf fallen wird. Von dieser Wahrscheinlichkeit reden wir jedoch nicht, wenn wir Risiken für uns im Leben einschätzen. Es kann nicht jedem passieren, sondern es passiert sehr wenigen und genau das ist es was er verdreht. “Sehr wenigen” steht dabei in Relation zu dem was Kindern noch so alles passiert oder angetan wird, ich zählte dies bereits auch auf. Dabei sind die Wahrscheinlichkeiten, für die im Artikel aufgezählten anderen Missbräuche, nämlich um ein Vielfaches höher und werden zumeist, unter der Rechtfertigung unserer Gesellschaftsphilosophie, als „Nebeneffekte“ kaum und wenn überhaupt, dann zumeist rein technisch, wahrgenommen und völlig emotionsfern bewertet. So hungern heute 925 Millionen Menschen und 5760 Kinder sterben daran jeden Tag. Das sind dann eben nur noch Zahlen, welche fernab liegen. Dabei liefert genau die Politik unserer Lebensweise, unserer Bedürfnisse, unseres Konsumverhaltens und  unser Leistungsprinzipienwahn die Ursache für diese Geschehnisse. Die Lösung für solcherlei Probleme wäre dabei um ein vielfaches einfacher und sehr kurzfristig umsetzbar, als der Versuch alle Gefahren wegzusperren.  Wo sind da die „Schweiger“

Mit seiner Show “Mission Hollywood” zeigte Herr Schweiger sehr unmissverständlich auf, worauf er den Menschen reduziert, nämlich auf Sexobjekte und dabei sind die Kandidaten ebenso naiv ihrem Anerkennungsdurst ausgeliefert, wie  unter anderem Kinder, die sich fremden Erwachsenen anvertrauen.   Hierzu schrieb Michael Brandes von Wunschliste.de:

Die Kandidatinnen wurden nicht nach Talent ausgewählt, sie mussten lediglich in ihrer Gesamtheit der Klischeebesetzung einer beliebigen Casting-Show entsprechen. Sie eint dabei eine gewisse Naivität („Krass, dass der Job so hart ist und man oft keine Rollenangebote kriegt“), was nicht verwundert, denn wer ernsthaft um eine seriöse Karriere als Schauspielerin bemüht wäre, hätte vielleicht einmal im Vorfeld darüber nachgedacht, dass sich die Teilnahme an „Mission Hollywood“ im Lebenslauf genauso gut macht wie eine Verweildauer im „Big Brother„-Haus.
Es braucht keine zehn Minuten, bis nach üblichem Muster die schicksalhafte Vergangenheit der Mädchen enthüllt wird. Ihre Mutter sei schon gestorben, hoffentlich sieht sie jetzt zu, schluchzt Margarita im Einklang mit der Einblendung: „Margarita, 20, will nicht immer das Opfer sein.“ Dann geht es zur Sache. Die Mädchen müssen drei Szenen vorspielen, um eine Runde weiter zu gelangen: Ein vorgetäuschter Orgasmus (wie Meg Ryan), ein Striptease (wie Kim Basinger) und zum krönenden Abschluss eine Lesbennummer, inklusive Zungenkuss. „Auf der Erotikskala ist da bei mir schon was ausgeschlagen“, lobt Schweiger stark sexualisiert und schickt die überzeugendsten Sexobjekte in die nächste Runde, der Rest fliegt raus.

 

Zum Wissen:

Es wird keine Gesellschaftsform geben, die alle Verbrechen verhindern kann. Das Fazit ist also, dass es immer einen kleinen Teil geben wird, der Schaden anrichtet. Nun ist die Frage in wie weit gehen wir als Gesellschaft damit um. Suchen wir nach Ursachen und verändern wir diese oder sanktionieren wir permanent die Symptome?

Wenn man die Politik der letzten 10 bis 20 Jahre verfolgt, bewegt diese sich genau entgegengesetzt zu dem was notwendig ist um Kindern, Jugendlichen und Familien mehr Perspektiven, mehr Bildung und mehr Sicherheit zu garantieren. Dabei findet ein drastischer Sozialabbau statt, wie es ihn noch nie zuvor gegeben hat und gleichzeitig eine „Aufrüstung“ gegen den Bürger, wie es ihn ebenso noch nie zuvor gegeben hat.

Es gibt in Deutschland sehr gute und ausreichende Gesetze gegen Gewalt- und Sexualstraftäter. Das BKA verzeichnet auch seit 1994 einen erheblichen Rückgang dieser Taten.

Instrumentalisierung:

Wenn jemand nun die wenigen schrecklichen Verbrechen dahingehend extrapoliert, dass es so scheint als wäre es in jeder zweiten, dritten oder zehnten Familie Usus, dann manipuliert derjenige sein Gegenüber. Zu erkennen ist dies wenn man sich die Fakten ansieht und sich nicht dem Geschwätz hingibt. Zumeist wollen solche Menschen weder Zahlen noch Fakten nennen und legen eben ein Verhalten und eine Show an den Tag, wie ich es mit dem Zitat von Le Bon schon wiedergab. Jedoch hat die Manipulation auch ein Ziel. In dem Fall die Vorratsdatenspeicherung. Seit „von der Leyen“ ihre Stoppschilder verteilt hat, geht es um dieses Thema.

Makaber und missbräuchlich ist es, dass Verbrechen/Straftaten an Kindern dafür benutzt werden um gesellschaftliche Einschnitte zu machen, mit denen (und das ist jetzt schon klar) Kindern nicht geholfen wäre. Dazu sollte man sich über die Mechanismen von dererlei Straftätern informieren und die Zahlen der Taten kennen. Im Übrigen bevorzugt man nach wie vor die Stoppschilder, als das Löschen der gefundenen Daten. Das ist absurd und mit welcher Argumentation will man das den Opfern klarmachen.

Mit dem Format „Tatort Internet“ auf dem Bildungskanal RTL2 sollte es wohl den Letzten aufgefallen sein. Mehr „wink mit dem Zaunspfahl“ geht doch gar nicht und wäre dann doch schon nahe dem Totschlag.

Interessanterweise gibt sich Til Schweiger wenige Tage, nachdem er seinen Film bei Markus Lanz verkauft hat, ein Mediales Stelldichein mit Stefanie zu Guttenberg. Zur Stefanie Guttenberg-Show hatte er sich schon zu Beginn am 18.10.2010 in der Bild geäußert. Bis heute spricht er davon sich nun für die Opfer einzusetzen. Interessant ist es auch mal zu recherchieren inwieweit sich „Innocence in Danger“ für Opfer engagiert. Auf der Seite kann ich selbst nichts entnehmen, wem wo wie mit was geholfen wird. Stattdessen gibt es ganz offensichtliche Unklarheiten über deren Einnahmen und Verwendung.

Näheres dazu hier:

http://www.tauss-gezwitscher.de/?p=2257

http://www.heise.de/tp/blogs/5/149628

rnf.de

Wenn es also um Missbrauch, Kinder, Opfer und Hilfe geht, dann sind das doch nun wirklich die letzten Adressen. Und was prangerte Herr Schweiger nochmal in der Sendung bei Markus Lanz an: „Niemand redet über die Opfer, man redet immer nur über die Täter“. Und das tut er dann auch kräftig, indem er seine optimalen Vorstellungen vom Umgang mit diesen lang und breit darlegt. Meines Erachtens sollte überhaupt nicht viel Gerede sein, sondern es soll getan werden. Interessant ist auch was nicht angesprochen wird. So ist der Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen ein sehr breites Thema und zeigt Systematik auf. Davon wird nicht ein Hauch auch nur erwähnt. hier sitzt man mit den Tätern an Verhandlungstischen und redet über angemessene finanzielle Abfindungen und Maulkörbe für die Opfer. Wenn das nicht Kontraststark genug ist um öffentliche Empörung zu finden, dann weiß ich nicht was. Aber auch das scheint mir gewollt. Es hätte sehr gut ein Vertreter dieser Sache am Abend bei Markus Lanz hineingepasst.

Fazit:

Und weil es eben so und sehr oft nach diesem Schema abläuft, bezeichne ich Herrn Schweiger mit seinem Auftreten zu diesem Thema als populistisch. Er erfüllt damit die Definition mehr als einmal. Menschen die ihn mit diesem Auftritt also als populistisch bezeichnen, können somit auch naiv, dumm oder intellektuell sein, das spielt gar keine Rolle und ist auch keine Voraussetzung um zu dieser Schlussfolgerung zu kommen, als auch sich vorstellen zu können (Empathie), dass es ihnen nicht auch „passieren“ kann, Opfer solcher Taten zu werden.

Kurzum, ich kann mir sehr wohl vorstellen dass meine Kinder Opfer von Gewalt werden, ich kann mir auch annähernd vorstellen wie sehr mich dies schmerzen wird und wie schwer es sein würde damit weiter leben zu müssen, aber ich möchte mir nicht vorstellen, dass ich in meinem Schmerz meine Haltung und meine Beziehung zur Menschenwürde und den damit verbundenen Rechten verlieren möchte und aus einem Impuls der Wut zu dem werde was diese Täter schon längst sind. Nämlich Opfer die zu Tätern wurden.

Der Aufruf zu solchem Wahnsinn, wie Menschenjagt, an den Pranger (Internetpranger) stellen oder ein Leben lang wegsperren, bringt die Menschen weit weg von sich selbst und brächte ihm kein besseres Empfinden oder Befriedigung mit sich. Dabei wird er selbst zum Täter. Moralisch geben sie die Verantwortung an  den Staat, die Gesellschaft und exekutive Institutionen ab, welche in ihrem Sinne dann handeln, ihnen aber das Gefühl vermitteln es nicht selbst zu tun. Das tun sie aber. Mit jeder Abstimmung, mit jeder Wahl, mit jedem Dafürsprechen wird man zum Täter.  Das ist was Gustav Le Bon in seinem Buch “Psychologie der Massen” u.a. beschreibt.

Ich bin sehr froh, das solches Verhalten, wie von Til Schweiger, nicht auf eine breite Masse zutrifft und es zeigt, dass der allgemeine Mensch in unseren Gesellschaften in der sozialen und emotionalen Intelligenz schon viel weiter ist, als es uns manche Medien und Politiker klarmachen wollen. Die uns vor vermeintlichen Feinden schützen wollen, indem sie uns unsere Freiheiten stehlen. Was Diesen meines Erachtens noch nicht so ganz klar ist, ist dass sie sich zu ihren Lebzeiten noch für ihr Handeln verantworten werden müssen.

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Ein Kommentar zu Antwort an MM – Zwei Sichtweisen über Schweiger

  1. MM sagt:

    1. „Sie schreiben: „Wer zur Gewalt neigt handelt meist im Affekt… … Weil Sexualstraftaten so gut wie nie im Affekt geschehen….“ Sexualstraftaten sind zumeist mit psychischer oder körperlicher Gewalt verbunden und somit zumeist als Gewaltverbrechen zu verstehen. Ob ich mit einer Tat strategisch oder taktisch umgehen muss, sagt nichts darüber aus ob dabei mehr oder weniger Gewalt zum Einsatz kommt. Ein Banküberfall benötigt auch Vorbereitung und ist kaum ohne Gewalt durchführbar.“

    Hier haben Sie selbstverständlich recht, allerdings habe ich das auch nie in Frage gestellt.

    2. Sie schreiben: “Es gibt Einrichtungen, die Betroffene aufsuchen können, um eine Störung dieser Art behandeln und medikamentös “deaktivieren” zu lassen. Es gibt keine Entschuldigung, diese Hilfe nicht in Anspruch zu nehmen, und stattdessen auf lange Sicht fast sicher zum Täter zu werden.” Diese Ansicht hätten sie mal in den 70ern vertreten und durchsetzen lassen müssen, zu dieser Zeit wurde Homosexualität genau wie Pädophilie verstanden. Heute gibt es darüber einen anderen gesellschaftlichen Konsens, jedoch auch nach wie vor extreme Bewegungen gegen Homosexuelle. Nicht zuletzt sogar die katholische Kirche, die mit ihrer Sichtweise und internen Politik, dann eben nicht mehr in das gesellschaftliche Bild passt. Pädophilie ist keine Störung, wie sie es und wohl einige andere auch verstehen. Es ist ein natürlicher Trieb und kein Defekt.“

    „Es ist ein natürlicher Trieb und kein Defekt.“ Selbstverständlich bin ich nicht der Meinung, dass Pädophilie (und Homosekxualität schon mal gar nicht) ein Defekt ist, der einfach einen „Fehler“ in einem Menschen darstellt und der „durch die richtige Erziehung“ (oder eine ähnlich schwachsinnige Lösung) behoben werden könnte. Da könnte man ja menschheitsgeschichtlich noch weiter zurück gehen, und diese „Defekte“ (Homosexualität, Pädophilie) mit dem „Defekt“ des Linkshändertums zu vergleichen, wo man ja auch mal meinte, das müsste man einfach wegtrainieren. Sie werden verstehen dass ich ungern in eine solche ungebildete Ecke gestellt werde.

    3. Es gibt sehr viele Gründe ( sie nennen es Entschuldigung setzen es damit in ein anderes Licht) sich nicht „deaktivieren“ zu lassen. Auch hier benötigt es wieder Empathie um dies zu verstehen.

    Das würde mich interessieren, wieviele Sie nennen können, die sich gegen das Argument „Alles ist besser, als Täter zu werden“ auch nur ansatzweise aufwiegen lassen. Dass es für Betroffene (Pädophile) sicherlich sehr schwer ist, sich zu offenbahren, therapieren, helfen zu lassen, ist nur logisch. Dennoch ist es weder Entschuldigung, noch Grund keine Hilfe in Anspruch zu nehmen. Vielleicht können Sie mich aufklären, denn bisher fehlt mir das Verständnis, um Empathie für Täter (nicht Pädophile per se!) aufzubringen. Das wollte ich auch zum Ausdruck bringen: Es ist schwerer für einen Sexualstraftäter Verständnis aufzubringen, der (aus welchen Gründen auch immer) ein Kind möglicherweise wochenlang beobachtet, eine Entführung und evtl. einen Mord plant, als für jemanden, der zur Gewalt neigt (weil er in seiner Kindheit Opfer von Gewalt wurde) und unter unglücklichen Umständen ein Gewaltverbrechen (im Affekt) begeht.

    4. Sie suggerieren im nächsten Satz schon etwas, was mit den Fakten nicht übereinstimmt. Es wird eben nicht jeder Pädophile zum „vom Trieb getriebenen“ Täter. Dazu gibt es ausreichende Fakten und es hilft schon ein Blick in Wikipedia. Sie müssten mit diesem Prinzip quasi jedem, der nicht Verantwortlich mit einer Sache umgehen kann, die jeweiligen Freiheiten für alle Zeiten beschneiden. Wie sähe es dann hier aus?

    Dazu müssten Sie jetzt noch textlich belegen, wann ich behauptet habe, dass jeder (!) Pädophile zum Täter wird und deswegen jeder (!) Pädophile Hilfe in Anspruch nehmen sollte. Was ich geschrieben habe war „und damit fast sicher zum Täter zu werden.“ Das ist ein Unterschied. Es ist ja wohl logisch, dass ich nicht der Meinung bin, dass die Pädophilen, die ihre Neigungen unter Kontrolle haben, das Problem darstellen. Wenn sich Pädophile dafür enstcheiden, keine Hilfe in Ansrpuch zu nehmen und dennoch ihr Leben meistern, ohne zum Täter zu werden, dann ist das ja wunderbar. Natürlich klage ich Täter an – nicht Pädophile an sich. Nicht jeder Pädophile wird zum Täter (wie groß dieser Anteil ist, ist wohl kaum zu erfassen). Wenn ein Pädophiler dann aber Täter wird, weil er keinerlei Hilfe in Anspruch genommen hat und seine Neigungen nicht kontrollieren konnte, dann kann ich dafür immer noch keine Empathie aufbringen.

    Ich denke dem Rest ihrer Ausführungen kann ich zumeist zustimmen, auch entfernt es sich ja inhaltlich etwas von unserer Diskussion. Außerdem habe ich momentan auch nur wenig Zeit, dennoch bin ich auf eine Antwort gespannt.

    Ein letztes noch: Auch wenn die pädophile Neigung ein „natürlicher Trieb“ ist, so kann er wie andere menschliche Triebe medikamentös unterdrückt werden. Dass das für Betroffene mit Sicherheit folgen (Nebenwirkungen) hat, ist klar, allerdings ist die schlimmste Nebenwirkung der Pädophilie in meinen Augen die Gefahr, Täter zu werden. Meine Kritik richtet sich nicht gegen Pädophile, sondern gegen Täter, denn das eine führt nicht zwingen zum anderen (da sind wir uns ja einer Meinung).

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